Innsbrucker Nachrichten

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1909-11-17

(Zentral-Kinematograph.) Wie wir bereits berichteten, wurde vor einiger Zeit in Innsbruck ein Zentralkinematograph eröffnet. Derselbe ist in dem neuen Haus des Herrn Lindner, Maria Theresienstraße 10, untergebracht, ein moderner Bau, der vom Architekten Wolfg ausgeführt wurde. Dieser hat es verstanden, durch praktische Verwendung des gegebenen Raumes in jedem der vier Stockwerke je vier große, lichte Zimmer, welche für Bürozwecke dienen sollen, mit den entsprechenden Nebenräumen, wie Waschräume und Aborte, und einen sehr bequemen, lichten Aufgang zu schaffen. Die Fassade, die so wie die Stuckarbeit von der Firma Oberhofer und Sicker hergestellt wurde, zeigt zwei Syenitsockeln und einen Bogen aus rotbraunem schwedischen Granit, der bis zu der Höhe des zweiten Stockes reicht und sich wirksam von einem goldigen Mosaik abhebt. Auf diesem Bogen ist ein mit Lotosblumen und Ranken gezierter Erker aufgebaut, der bis zum vierten Stock reicht, über dem ein Balkon aufgebaut ist. Zwischen dem zweiten und dritten Stock sind in Mosaiken die Jahreszahl 1909, eine Madonna nach Raphael, vom Stadtwappen und dem Tiroler Adler umgeben, angebracht. Ein ornamentierter Giebel mit dem Monogramm L L bildet den Abschluss der Fassade. Das Eichenportalmit dem Ein- und Ausgang wurde von der Firma Karl Norer und Co. geschaffen. Treten wir in das Parterre ein, so empfängt uns ein mit Mosaikplatten und Kramsacher Marmor belegtes Foyer. Seitenwände und Plafond sind in Stuck gehalten und werden die Firmentaflen der im Haus unterbrachten Geschäfte und Büros aufnehmen. – Wir passieren die Eintrittskasse des Zentralkinematographen, die Maschinen- und Operationsräume und zwei Spielflügeltüren mit fassadierten Spiegelscheiben und gelangen in den Spielsaal des Kinematographen, wo täglich von 2 Uhr nachmittags bis 10 Uhr abends, an Sonn- und Feiertagen auch von 10 bis 12 Uhr vormittags Vorstellungen stattfinden, deren Programm jeden Mittwoch und Samstag wechselt. Inhaber des Kinematographen ist Bildhauer Pitschmann. Der Kinosaal ist 5 bis 6 Meter breit und über 20 Meter lang und hat 164 gepolsterte Klappsitze für die Zuschauer. Der Saal, welcher erst im nächsten Jahr vollständig ausgemalt wird, ist durch zahlreiche elektrische Lampen erhellt, während zwei elektrische Ventilatoren für die Luftreinigung sorgen. Vom Foyer aus führt eine Steintreppe aus geschliffenem Crisig-Marmor zwischen den zwei Ein- und Ausgängen in das erste Stockwerk, in dessen großen Räumen das Damenmodegeschäft untergebracht ist. Vom ersten bis zum vierten Stock führt eine marmorne Halbwendeltreppe empor. Im Souterain befindet sich ein kleineres und größeres Lokal zu Lagerzwecken, welche durch geschickte Verwendung von Glasprismen-Fenstern ebenso hell sind wie das Parterre. Im Stöcklgebäude sind zwei Kanzleiräume untergebracht; s.a. 18.11.