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Innsbrucker Nachrichten

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Die nebenstehenden Texte können Sie im Original und vollständig in den Innsbrucker Nachrichten finden, die auf der Webseite ANNO abzurufen sind. Wie sie den Text am besten finden, habe ich auf meiner Startseite beschrieben.


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1867-12-09

10.12. und 11.12.1867 – Es fehlt unserer Stadt eine städtische Schwimmanstalt! Dass eine solche Anstalt nothwendig sei, hat man schln längst erkannt, und in Folge dieser Erkenntnis wurde vor ungefähr 40 Jahren vom damaligen Magistrate die Badeanstalt am Gießen hergestellt. Dieses Etablissement war freilich sehr primitiv, selbst für jene anspruchslose Zeit, da es nur aus vier Holzwänden besteht, die einen Wassergraben umgeben; allein damals nahm man es dankbar auf, weil es doch immer ein Fortschritt war, gegenüber dem früheren Naturzustand. Es ist aber begreiflich, dass für die jetztigen Verhältnisse diese Einrichtung, welche noch heute unter dem ehrwürdigen Titel „städtische Badeanstalt“ in ihrer ganzen urwüchsigen, von der Kultur nicht beleckten Einfachheit fortbesteht, in keiner Weise mehr genügen kann. Fürs Erste hat der Wassergraben so geringe Dimensionen, dass, wenn sechs oder acht Schwimmer sich darin bewegen, bei der größten Vorsicht und Kunst, empfindliche Zusammenstöße gar nicht vermeiden sind. Man denke sich also die Annehmlichkeit dieses Badeplatzes, wenn es z. B. am Sonntage von der schwimmkundigen Schuljugend und von dem reinigungsbedürftigen Nachwuchs des städtischen Gewerbestandes belebt wird. Ferner ist das Wasser, dessen Temperatur selbst im wärmsten Sommer mit hartnäckiger Konsequenz in der bescheidenen Höhe zwischen 9 und 13 Grad sich bewegt, zwar von vorzüglicher Frische, aber nicht für jedermann gesund und zuträglich. Innsbruck erfreut sich zwar eines kräftigen Menschenschlages, aber die spartanischen Naturen, welche im Gießwasser mit Behagen herumplätschern, gehören doch zu den Ausnahmen. Was schließlich den dritten Übelstand, die große Entfernung von der Stadt betrifft, so darf man sich nicht wundern, dass man zu jener Zeit, wo man sich freute und Opfer brachte, um Spital, Friedhof und Schießstätte in der Mitte der Stadt zu haben, dass man damals eine Anstalt, die weder gesundheitsschädlich noch sonst störend ist, auf eine Entfernung von 3/4 Stunden hinaus verlegte. Den Aufwand von Zeit berücksichtigte man weniger; denn im damaligen Österreich galt diese als wohlfeil. Jetzt ist die Zeit theurer geworden, und nicht Jedem erlauben es seine Mittel, mehrmals in der Woche 2 1/2 Stunden auf ein Bad zu verwenden. Dies aber ist das erforderliche Zeitmaß, wenn man nicht durch zu frühes Ablegen der Kleider und Betreten des Wassers seine Gesundheit aufs Spiel setzen will. Auch darf man den Schweiß nicht unterschätzen, wodurch man sich das Badvergnügen erkaufen muss, das der Weg von der Innbrücke aus an der im Sommer glühenden Häuserreihe von Maria Hilf vorüber, zu einem ganz schattenlosen Vicinalweg, und auf diesem zu der Anstalt führt. Um im Gießen zu baden, muss amn also zuerst ganz unbändig schwitzen, dann im Bade selbst elend frieren, und zuletzt die Erfrischung, derentwegen man doch eigentlich die Badeanstalt aufsucht, unter den glühenden Sonnenstrahlen auf dem Rückwege wieder einbüßen. Es wurde denn auch bald das Ungenügende und Unbequeme der Anstalt erkannt, und unternehmende Köpfe verfielen auf den Gedanken, ob es denn nicht möglich wäre, eine anständige und mit mehr Komfort eingerichtete Schwimmschule in der Nähe der Stadt herzustellen. / Der Erste, der auf eigen Faust daran ging, diesen Gedanken zu verwirklichen war Herr v. Alpenburg. Er suchte den Teich in seinem Garten zu Büchsenhausen in einer Art Schwimmschule umzugestalten, und das Publikum wusste dieses Unternehmen vollkommen zu würdigen, wie der zahlreiche Besuch der Anstalt zeigte. Allein auch dieses Etablissement hatte den bedeutenden Übelstand, dass das Wasser nur selten abgelassen und gewechselt werden konnte, weil die Füllung des Teiches bei dem spärlichen Zufluss zu lange Zeit erforderte und eine unliebsame Unterbrechung der Badegelegenheit herbeiführte. Durch den langen Gebrauch desselben Wassers aber wurde dieses schmutzig und mit unnennbaren Ingredienzien geschwängert, ein Umstand, der auch die eifrigsten Badefanatiker unangenehm berührte. Aus diesem Grund wurde neuerdings das Projekt einer neuen Schwimmschule auf die Tagesordnung gesetzt. Allein es geschah nichts, bis Se. k.k. Hoheit Herr Erzherzog-Statthalter Karl Ludwig den Bürgermeister Neuner veranlasste, die Sache in die Hand zu nehmen. Herr Neuner ließ durch Herrn Baumeister Mayr den Plan zu einer Schwimmschule im Gießen in der Nähe des Rösslwirthes in der Au verfertigen und einen Kostenvoranschlag entwerfen, und es war schon so weit, dass die Sache dem Gemeinderathe zur Berathung und Beschlussfassung vorgelegt werden konnte. Da wurde im Jahre 1861 der alte Gemeinderath aufgelöst und ein neuer nach den Statuten von 1849 gewählt. Dieser wollte aus Scheu vor den großen Kosten von dem Baue einer Schwimmschule nichts wissen. So blieb die Sache wieder liegen. Seitdem wurde nun vor 2 Jahren auch die Schwimmschule in Büchsenhausen aufgehoben, und die alte ehrwürdige städtische Badeanstalt im Gießen erfreute sich wieder des alten Monopols. Allein der Bevölkerung erscheint dieses Monopol je länger je unerträglicher. [] (Es wird die Reaktivierung der Schwimmschule in Büchsenhausen diskutiert, wobei daran gedacht ist, das Schwimmbassin zu verlängern und den Wasserzufluss durch die Herstellung eines Wasserkanals vom Fallbach aus zu verstärken. Prof. Daum erklärt, dass er den Gießen teils wegen seiner entfernten Lage, teils deshalb für eine Schwimm- und Badeanstalt nicht geeignet halte, weil das Grundwasser in den Schwimmbassin eindringe und wegen des hohen Wasserstandes des Innflusses der Bassin im Sommer nicht gereinigt werden könne. Der von einer Zeitung vorgeschlagen Platz in der Nähe des Bahnhofes komme nicht in Frage, weil die Südbahngesellschaft sich kaum herablassen werde, jederzeit das geforderte Wasser abzugeben). Vertagung.