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Innsbrucker Nachrichten

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Die nebenstehenden Texte können Sie im Original und vollständig in den Innsbrucker Nachrichten finden, die auf der Webseite ANNO abzurufen sind. Wie sie den Text am besten finden, habe ich auf meiner Startseite beschrieben.


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1854-08-22

König August verunglückt in Brennbichl: „ Es war Mittwoch, der 9. des Monats etwas nach acht Uhr vormittags, als der König, von Karres herabfahrend, jenen verhängnisvollen Weg erblicken konnte, der ihn zum Tode führen sollte. – Die steilste Stelle war glücklich zurückgelegt. Doch bei dem sogenannten „Rieb“ fing der Wang an sich bedeutend nach rechts zu neigen. Der König bemerkte es, und rief Halt. Leider zu spät; den im nämlichen Augenblicke stürzte der Wagen. Der König wollte noch vornehin aus dem Wagen springen, gerieth aber in die unmittelbare Nähe der Pferde. Das übrigens sehr zahme, durch den Sturz über den Zugstrang scheu gewordene Handpferd fing nun an auszuschlagen, und traf mit den zwei Stollen des Eisens am rechten Fuß (welches, nebenbei erwähnt, der Oberstallmeister und Generaladjutant v. Engel mit sich nach Sachsen genommen hat), das Hinterhaupt des Königs unweit des linken Ohres so stark, dass die Hirnschale in Stücke sprang. Das geschah dreiviertel auf 10 Uhr. – Der König lag besinnungslos am Boden, und er wurde nun auf die linke Seite des Wagens getragen. Hier schlug er plötzlich die Augen auf und sagte seinem Diener: „Verlass mich nicht, ich werde dich auch nicht vergessen.“ Major v. Zetschwitz lief pfeilschnell hierher zurück, um von Imst den Arzt herbeizurufen. – Weil der Knecht wußte, dass der Bezirksarzt von Imst eine amtliche Reise nach Reutte unternommen, schickte er den Knecht nach dem 1 ¾ Stunden entlegenen Dorf Wenns, damit er den dortigen Chirurgen Welshofer herbeiriefe, welcher schon ¼ vor 12 Uhr einlangte. – Seine Majestät wurden nun auf die Tragbahre gelegt und nach Brennbichl zurückgetragen, während Meier vorauseilte, um in seinem Haus, und zwar im Zimmer Nr. 2, eine Bett in Bereitschaft zu richten. Bald langte der Postmeister Stubmayr mit einem Wundarzt von Imst hier an. – Der Wundarzt bemerkte nun dem anwesenden greisen Priester Stephan Krismer, welcher bereits einige fünfzig Jahre im Priesteramte steht und aus den bewegten Zeiten des Jahres 1809 wohl bekannt ist, dass es gefährlich sei.und er nicht zögern dürfe, dem hohen Kranken die Tröstungen der Religion zu reichen. Mit der Stola angethan, spendete demnach Krismer Sr. Majestät das Sakrament der letzten Ölung, ertheilte Höchstdemselben die Absolution und sprach ihm die Sterbegebete vor. Während dem wurde dem hohen Kranken zur Ader gelassen; es floss nur wenig Blut, seine Füße fingen an zu zittern, doch sein Angesicht blickte heiter; nach ein paar Athemzügen aus tieffster Brust war der edle Fürst verschieden. Es ar 10 ¼ Uhr vormittags.“