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Innsbrucker Nachrichten

Hinweis

Die nebenstehenden Texte können Sie im Original und vollständig in den Innsbrucker Nachrichten finden, die auf der Webseite ANNO abzurufen sind. Wie sie den Text am besten finden, habe ich auf meiner Startseite beschrieben.


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Der für Anfang Jänner angekündigte Besuch des Kaisers wirft seine Schatten voraus (siehe auch den Bericht vom 31.12.)
Ankunft von Kaiser Franz Josef I. und Kronprinz Rudolf: „Am Bahnhof erwarteten der Landeshauptmann, Bürgermeister und der Landeskommandierende Se. Majestät zur Begrüßung. Beim Eintreffen des Zuges erschallten tausendfache Hoch und die Glocken aller Thürme begannen ein feierliches Geläute. Se. Majestät in Marschalls-Uniform und Federhut bestieg mit einem Adjutanten den bereitstehenden zweispännigen offenen Hofwagen. Ihm voran fuhren ebenfalls in drei offenen Chaissen, zuerst der Bürgermeister, dann der Landeshauptmann und der Statthalter, der dem Kaiser bis Bozen entgegengereist war. Ganz voran ritten, um Platz zu machen, drei in mittelalterlicher Tracht gekleidete Herolde. Die Wagen fuhren über die Landhausgasse, Neustadt, den Stadtplatz, die Hofgasse und den Rennplatz in die Hofburg, überall von den lauten Hochrufen der Bevölkerung begleitet. Bengalische Feuer erhellten die Plätze und Straßen, während Se. Majestät vorbeifuhr. Auch das Schloss Ambras war bei der Ankunft des Zuges auf solche Art beleuchtet worden. In der Hofburg wurde Se. Majestät von geistlichen, weltlichen und militärischen Behörden empfangen. Um 7 Uhr erschien der von den Bürgern veranstalte Fackelzug in Begleitung der Liedertafel und Musikbande von Erzherzog Rainer Infanterie. Während der abwechselnden Gesangs- und Musikvorträge verweilten Se. Majestät lange Zeit auf dem Balkon der Burg. – Heute morgens fand die militärische Revue der hiesigen Garnison…
Gestern fuhr Se. Majestät in der Uniform des Kaiser-Jäger Regiments mit seiner Suite und geführt vom Bürgermeister zuerst zur Prügelbau-Kaserne, wo die Divisionsschule untergebracht ist. Nach deren Besichtigung inspizierte Se. Majestät die vor der Kaserne aufgestellte freiwillige Feuerwehr. Hierauf erfolgte der Besuch der Schule in St. Nikolaus. Von St. Nikolaus weg wurde dann zum Landes-Hauptschießstand gefahren. Am Portale des Schießstandgebäudes empfing der Herr Landesoberstschützenmeister und Landeshauptmann Dr. Grebmer mit der Schießstand-Vorstehung Se. Majestät, welcher hierauf das Schießen eröffneten. – Abends 5 Uhr fand die Hoftafel statt, zu der die Spitzen der Behörden geladen waren. Die Festvorstellung im k.k. Nationaltheater fand vor einem gänzlich ausverkauften Hause statt. Bald nach Beginn der Vorstellung erschienen Se. Majestät und mit ihm der Kronprinz Rudolf mit dem hier studierenden jungen Herzog von Braganza. Der Kronprinz war nachmittags um 2 1/4 mit dem Seperatzug von Bozen hier angekommen und zu dessen Empfang die Wiltener Stadtmusik in ihrer schmucken Tracht auf den Bahnhof ausgerückt. Die Allerhöchsten Herrschaften wurden bei ihrem Erscheinen im Theater mit Hochrufen empfangen und verließen dasselbe um 8 Uhr, um sich in die Appartements der Hofburg zurückzuziehen.
Ein großes nationales Fest wird heute abenbs die Schützen und Jäger Tirols in den Räumen des Redoutengebäudes vereinen. (Beschreibung der Dekoration des Saales und Erwähnung eines Bildes der Künstlerin Steiner Knittel, den Kaiser im Jägerkostüm darstellend; dieses wird vom Landesschießstand angekauft, s. 14.04.)
Auf der Reise des Kaisers von Bozen hierher waren auf mehreren Bahnstationen Schützen-Kompagnien aufgestellt. Am Bahnhofe zu Patsch präsentierte sich eine Kompagnie dekorierter Stubaier Schützen. Der Kaiser sprach mit einzelnen Schützen und war eben im Begriffe im Waggon wieder einzusteigen, als noch ein Stubaier Schütze, wie man sich erzählt, dringenst Se. Majestät zu sprechen verlangte. Huldvollst willfahrte ihm der Kaiser und fragte nach seinem Begehr, worauf der Schütze mit den Worten: „Majestät, vergessen Sie die Stubaier nicht“, seinem Herzen Luft machte..
Gestern als am zweiten Aufenthaltstage Sr. Majestät des Kaisers in unserer Stadt, an welchem eine ziemliche Kälte herrschte, besuchte A.H. derselbe um 9 Uhr morgens zuerst das Garnisonsspital. Hierauf erfolgte die Besichtigung des Museums Ferdinandeum, in welchem gegenwärtig eine Ausstellung von Werken vaterländischer Kunst veranstaltet wurde, und sodann der Besuch der neuen städtischen Bürgerschule in der Angerzellgasse. Nachdem Se. Majestät sodann noch das Spital nebst der darin befindlichen Gebär- und Findelanstalt, sowie die Glasmalerei-Anstalt des Herrn Neuhauser in Wilten mit seinem Besuche beehrt hatte, kehrte er wieder in die Hofburg zurück.. Im Verlaufe des Vormittags war auch der Kronprinz Rudolf in der Stadt herumgefahren, um diese zu besichtigen und besuchte das Museum, die Universität, ferner ebenfalls die Glasmalerei in Wilten und endlich den Landeshauptschießstand. Auf dem Stadtplatz war er ausgestiegen um das goldene Dachl zu besichtigen. Nachmittags besuchte der Kronprinz das Schloss Ambras und um 6 Uhr fand wieder das Diner im Riesensaale der Hofburg statt. Zu einem glänzenden Feste seltener Art gestaltete sich der in den Redoutensälen stattgehabte Jäger- und Schützenabend. Um 9 Uhr erschienen Se. Majestät der Kaiser mit dem Kronprinzen und Gefolge und wurde mit einem nie enden wollenden Hoch der Schützen und Jäger empfangen. Einen ungeheueren…
Am Donnerstage, dem letzten Aufenthaltstag des Kaisers besuchte derselbe morgens 9 Uhr die Universität, wo die Professoren und Studierenden in der Aula versammelt waren. Der Rektor Prof. Dr. Dantscher hob in einer Ansprache die Verdienste der Studenten um die Landesvertheidigung hervor, betonte die wissenschaftlichen Leistungen der Anstalt und empfahl letztere dem Schutze Sr. Majestät. [] Die Abreise des Kaisers erfolgte um 1 Uhr. [] Der Statthalter Graf Lodron, der Landeskommandierende FML. Freiherr v. Philippovic und der Brigadier General Graf Thun begleiteten Se. Majestät bis Kufstein.
Über die zu Ehren der Allerhöchsten Anwesenheit Sr. Majestät des Kaisers stattgefundenen Festvorstellungen finden wir uns veranlasst zu berichten, dass die Wahl der Benedixischen Bluette „Der Weiberfeind“ nicht unseren Beifall gefunden hätte, wenn diese dramatische Kleinigkeit nicht durch die superbe Darstellung ein meisterhaftes Kabinettstückchen geworden wäre. Die gefeierte Gastin Frl. Auguste Baison vom kaiserlichen Hoftheater zu St. Petersburg ließ als neuvermähltes Weibchen ihrer Laune die Zügel schießen und wir begreifen die wunderbare Bekehrung des Weiberfeindes (Merlé) durch eine so anmuthige Amorette vollkommen. Den vorangegangenen Festprolog sprach Frl. Baison mit edler Begeisterung. In der Operette „Die schöne Galathee“, welche den Schluss der Festvorstellung bildete, überragten unsere einheimischen Kräfte die Leistung der Gastin Frl. Schröder um ein erkleckliches.
Der Kaiser reist incognito mit dem Postzug nach Meran; er wird am Bahnhof vom Statthalter Graf Lodron und vom Landeskommandierenden FML Baron Philippovic empfangen
Ihre Majestät die Kaiserin Elisabeth werden heute 2 Uhr mit einem Seperatzug in Innsbruck eintreffen. und von hier Sonntags den 06.03. nach Bozen weiterreisen. Über allerhöchsten Befehl findet kein Empfang statt.
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