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Innsbrucker Nachrichten

Hinweis

Die nebenstehenden Texte können Sie im Original und vollständig in den Innsbrucker Nachrichten finden, die auf der Webseite ANNO abzurufen sind. Wie sie den Text am besten finden, habe ich auf meiner Startseite beschrieben.


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Jagdkarte für den Kaiser
Der Abschuss von Auer- und Birkhahnen ist bis Ende der Balzzeit gestattet.
Das in den Scharnitzer Jagdrevieren im Jahre 1882 zu erlegende Wild und zwar 15 Rehböcke, 15 Hirsche, 12 Thiere und 100 Gemsen wird in schriftlichem Wege versteigert. Angebote bis 30 d. Mts. an den Forst- und Jagdverwalter in Scharnitz
(Ein echter Waidmann.) Seine Durchlaucht der Fürst zu Hohenlohe Lanzenburg weilte durch 10 Tage in Scharnitz zur Auerhahnjagd und hat in 7 Morgen mit 12 Schüssen 11 Auerhähne und einen Spielhahn erlegt, wobei der hohe Herr nur streng waidmännisch zur Werke ging, indem auf jedem Balzplatz noch 2 bis 4 Hähne belassen wurden
(Misslungener Versuch zur Ausnahme eines Adlerhorstes.) Die herzoglich altenburg´schen Jäger in Leutasch bemerkten schon seit längere Zeit, dass recht am Aufstieg zur Boiden Alpe ein Steinadlerpaar hause und dort ein Nest habe. Wie aber diesem beizukommen, war die schwierige Frage, da man von unter sehen konnte, dass das Nest sich in einem circ 140 Meter hoch im Felsen befindlichem Loche ist und der Felsen über demselben vorragt. Am Peter- und Paulsfeste nachmittags versammelten sich die Jäger und kühnsten Burschen von Leutasch und begaben sich, ausgerüstet mit Seilen, Latten und Stöcken an Ort und Stelle. Es wurde von oben das Seil herabgelassen, an dasselbe der Jäger Probst befestigt und dann aufgezogen. Beim Loch, worin das Nest war, wurde gehalten und Probst bemerkte, dass nur ein Junges darin und dieses schon stark befiedert sei. Probst wollte mit seiner Latte dem jungen Adler beikommen und ihm eine Schlinge anlegen, was aber nicht gelang, da sich der schlaue Vogel zurückzog und so der Jäger wegen der weiten Entfernung und des überhängenden Felsens nichts ausrichten konnte. Auch der zweite Versuch schlug fehl, trotzdem auch diesesmal das alte Adlerpaar sich nicht sehen ließ
Ambros Post, ein äußerst kühner Mannn ist es endlich gelungen, den jungen Adler am Öfelekopf zu fangen. Der Genannte ließ sich mittels eines Flaschenzuges zum Adlerhorst hinaufziehen. Beim Loch angelangt, benützte er eine Stange, an deren oberem Ende eine Zange nach Art einer Baumschere befestigt war, um sich des Hinsassen des Horstes zu bemächtigen. Der junge Adler aber entledigte sich alsobald des unwillkommenen Besuches, indem er den Horst verließ und in langsamen taktlosem Schwingen der Zuschauermenge sich zeigte, thalabwärts flog, um sich für immer zu verabschieden. Der noch in der Nähe des Horstes zwischen Himmel und Erde schwebende Jäger rief den Leuten zu, sie möchten den Einfall des Adlers beobachten, Nachdem Post wieder auf festem Fuß war, verließen alle den unheimlichen Ort mit sichtlichem Bedauern, dass das Wagstück wieder nicht gelungen war. Doch der Adler war auch nicht geborgen. Kaum hatte er sich den Augen der leute entzogen, so bemerkten Raben die Gegenwart des unheimlichen Gastes und ließen deshalb ein klägliches Gekrächze hören und umflogen die Stelle, wo den Adler die Kraft seiner nur im Neste geübten Fittige verlassen und er zu Boden gesunken war. Mehrere Bauern, welche durch die Raben zuerst aufmerksam gemacht wurden, gingen an den Ort und…
(Jäger und Wilderer.) In der vorigen Woche spürten drei fürstliche Auersperg´sche Jäger von Dornauberg in unmittelbarer Nähe der Tristenspitze einen Wilderer auf, welcher eben eine Gemse ausweidete. Sie rückten ihm energisch zu Leibe und einer der Jäger, namens Huber, vulgo Geiner Anderl, gegen den der Raubjäger einen Bergstock erhoben hatte, schlug ihn über eine abschüssige Berglehne hinab, die in einen senkrechten Felsabhang ausläuft. Seit der Zeit ist der Wilderer nicht mehr gesehen worden und man befürchtet, dass er am Fuße der Felswand vom Sturze sich nicht mehr erhoben haben dürfte. Die Untersuchung wird wohl in Bälde Licht über das dunkle Schicksal desselben verbreiten; s.a. 28.08. Noch keine Spur vom vermissten Wilderer. Sein Verschwinden ist höchst rätselhaft.
In der Ausersperg´schen Jagd im Stilluptal werden in 5 Tagen nicht weniger als 128 Stücke Gemsen erlegt
In der Nacht vom 10. auf den 11. d. Mts. sind den Jägern in Brandenberg die ihnen schon seit zehn Jahren bekannten Wilderer aus Unterbreitenbach in die Hände gefallen. Sechs Jäger, denen der Jagdzug, den die Wilderer unternommen hatten, verrathen worden war, lauerten ihnen in der Nach auf dem Wege zwischen dem Kaiserhause und der Erzherzog Johann Klause auf. als die Wilderer mit ihrer Beute aus Hirschen, Rehen und Gemsen bestehend, von den Jägern auf dem Wege aufgehalten wurden, enstand ein erbittertes Ringen und in ärgster Wuth wurde mit dem Gewehrkolben drauf losgeschlagen. Nach längerem Ringen gelang es den Jägern dreier ihrer Gegner habhaft zu werden; zwei derselben wurden dem Bezirksgerichte in Rattenberg überliefertn während der Dritte der erlittenen Verletzungen wegen nicht mehr weiter transportiert werden konnte und beim Forstwart im Kaiserhause in Pflege bleiben musste
In den Jagdrevieren, welche zur Jagdverwaltung Scharnitz gehören, ist das Wildern durch die strenge Aufsicht des Jagdpersonals sehr erschwert. Der jagdlustige Theil der Bevölkerung dieser Gegend versucht sich deshalb nun in der verwerflichen Kunst, Schlingen zu legen. (Bericht von der Verhaftung von zwei Wilddieben). Im abgelaufenen Jahre 1882 wurden in den zur Jagdverwaltung Scharnitz gehörigen Revieren an Wild geschossen: 40 Hirsche, 26 Stück Mutterwild (Thiere und Kälber), 33 Rehböcke, 95 Gemsen, 20 Auerhähne, 14 Spielhähne, 32 Hasen, 14 Haselhühner und 10 Schnepfen. Dieses Wild hatte mit Ausnahme der Hasen und des Federwildes, welche nicht gewogen wurden, ein Gesamtgewicht von 6.519 Kilo; diese für Tirol große Wildbrätmenge wurde um 27 kr. per Kilo verkauft, was gewiss bemerkenswert ist.
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