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Innsbrucker Nachrichten

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Die nebenstehenden Texte können Sie im Original und vollständig in den Innsbrucker Nachrichten finden, die auf der Webseite ANNO abzurufen sind. Wie sie den Text am besten finden, habe ich auf meiner Startseite beschrieben.


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Psychiatrische Anstalten

Am verflossenen Faschingsmontag wurde in der k.k. Irrenheilanstalt zu Hall in festlich dekoriertem Saale ein Ballfest abgehalten, an welchem fast die Hälfte der in der Anstalt Verpflegten nebst dem Wart-Personale theilnahmen. Das Fest dauerte von 4 Uhr Abends bis Mitternacht und verlief ohne Störung, und ein Fremder, plötzlich in diesen Ballsaal eingeführt, würde durch Nichts auf die Vermuthung gekommen sein, dass er sich theilweise unter Irren befinde.
Am 17. d. Mts. in der Nacht gelang es einem irrsinnigen jungen Manne, der aus Stanzach im Oberinnthale gebürtig ist und wegen seiner Gefährlichkeit in der Landes-Irrenanstalt zu Hall untergebracht war, aus der gedachten Anstalt zu entfliehen
Wie man aus verlässlicher Quelle vernimmt, hat Se. Majestät der Kaiser der Irren-Heilanstalt in Hall das seitherige ärarische Irrenhausgebäude mit Zugehör im Schätzwerthe von 80.000 fl. großmüthig zum Geschenke gemacht.
Zum Irrenhaus-Vergrößerungsbau, bei dem einer der Herren Gebrüder Hutter jun. als landschaftlicher Bauinspektor fungiert, ist die Grundaushebung nahezu fertig und werden die Maurerarbeiten in Bälde beginnen
Neues Gebäude der Irrenanstalt in Hall überraschend schnell bevölkert (80 Kranke aus Nord- und Südtirol)
In der Irrenabteilung des Innsbrucker Stadtspitals wurden im verflossenen Jahre 24 Männer und 14 Weiber aufgenommen; hiervon wurden geheilt 6 Männer und 3 Weiber, ungeheilt wurden entlassen 3 Männer und 2 Weiber; nach Hall überbracht 1 Mann und 2 Weiber; auf die medizinische Abteilung transferiert wurde ein Mann und ein Weib, gestorben sind 2 Männer und 2 Weiber, in der Abteilung verblieben sind 6 Männer und 2 Weiber. Die Todesursache war bei zweien Gehirnerweichung und bei zweien Säuferwahnsinn. Es ist überhaupt eine sehr betrübliche Erscheinung, dass der Säuferwahnsinn hier so häufig vorkommt. Von den im vorigen Jahr in der Irrenabteilung aufgenommenen 38 Individuen litten 7 Männer und 2 Weiber, also nahezu der vierte Theil an demselben. Nicht minder auffallend ist, dass die größte Mehrzahl der Leute, welche sich im Spital aufnehmen lassen, mit einem Rausche kommen, wodurch natürlich die Untersuchung der Kranken dem Arzt sehr erschwert wird. Nicht minder zählt zu den Unannehmlichkeiten eines Spitalsarztes hier, dass kleine sechsfüßige Ungeziefer, mit dem hier gar so viele ins Spital Aufzunehmenden behaftet sind.
Bezüglich des Aufenthaltes in Hall haben wir nachzutragen, dass Se. Majestät auch die Kirche und das Institut der Salesianerinnen in Thurnfeld mit einem Besuche beehrt hat. In der Landes-Irrenanstalt war bei seinem Erscheinen in dem festlich geschmückten Konversationssaale der Frauenabtheilung von Anstaltspfleglingen und Bediensteten die Kaiserhymne unter Fortepiano-Begleitung abgesungen worden. Auch geruhten Se. Majestät auf Ersuchen der Anstalts-Direktion seinen Namen in ein Album einzuzeichnen. In der Taubstummenanstalt legten die Zöglinge Proben ihrer Fertigkeit im Schreiben und Rechnen ab. Vor dem Salinengebäude hatten die Salinenarbeiter und Bergknappen in Uniform mit ihren Musikbanden und Fahnen, sowie die Schuljugend bei der Ankunft des Kaisers Spalier gebildet. Der Aufenthalt in Hall hatte im Ganzen nur 2 Stunden gedauert.
Der Landtag beschließt, den Hauskaplan an der Landes-Irrenanstalt, hochw. Herrn Sebastian Ruf über sein Ersuchen mit dem vollen Aktivgehalt in den Ruhestand zu versetzen und ihn für eine Auszeichnung durch Se. Majestät vorzuschlagen
Die psychiatrischen Werke des Herrn Kaplan Ruf in Hall haben in Italien eine so günstige Aufnahme gefunden und eine so anerkennende Besprechung in den Fachblättern erhalten, dass sich der italienische Justizminister brieflich an den Verfasser wendete, er möge ihm den Verleger der Werke bezeichnen, um sich diese anschaffen zu können.
Dr. Josef Stolz, Sanitätsrat und Direktor des Landesnervenkrankenhauses in Hall, wurde am 7. d. Mts., während er mit Freunden in einem Gasthaus in heiterer Unterhaltung begriffen war, vom Schlage getroffen und ist wenig später in seiner Wohnung verstorben
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