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Innsbrucker Nachrichten

Hinweis

Die nebenstehenden Texte können Sie im Original und vollständig in den Innsbrucker Nachrichten finden, die auf der Webseite ANNO abzurufen sind. Wie sie den Text am besten finden, habe ich auf meiner Startseite beschrieben.


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Heute wurde der Maler Josef Bartinger in die Irrenanstalt nach Hall überführt (siehe dazu auch den Bericht „Skandalbilder“ in der Volkküche!)
Ein übel berüchtigtes Stadtkind, Anton Hosp, vulgo Rauch Toni, stand am vergangenen Freitage vor einem Richterkollegium des hiesigen Landesgerichts, um sich gegen die wider ihn erhobenen Anklage des Vergehens nach § 306 STGB „eigenmächtiger Hinwegnahme von Theilen menschlicher Leichname“ zu verantworten. Er hatte nämlich am 27. Mai des Jahres nachts aus einem Winkel des alten Friedhofes, in welchem die dort noch vorgefundenen Totenköpfe und Gebeine aufbewahrt lagen, einen Karren und einen Sack voll davon aufgeladen und war eben im Begriffe, mit dieser Fracht die Maria Theresienstraße zu passieren, als er hierbei von einem Sicherheitswachmanne über den verdächtigen Inhalt seines Karrens angehlaten und arretiert wurde. Rauch Toni gestand, dass er diese Gebeine einem „Huderer“ zu verkaufen beabsichtigt hatte, und nachdem ihm sein langes Sündenregister – er ist nämlich 22 Mal gerichtilich und 43 Mal polizeilich abgestraft worden – vorgehalten war, verurtheilte in der Gerichtshof wohl mit Berücksichtigung seines Vorlebens zu strengem Arrest in der Dauer von drei Monaten. Die entführten Knochen kehrten wieder in ihren Ruhewinkel zurück und harren dort ihrer weiteren Bestimmung.
Einen schlagenden Beweis, in welcher Üppigkeit in Tirol noch der krasseste Abgerglaube herrscht, möge folgende Thatsache geben, deren Schauplatz Mieders ist. Der Spuk spielt im Hause der „Bader Anna“, einem ganz netten, aber verrufenen Gebäude. Im Volke munkelt man mancherlei davon; Thatsache jedoch ist, dass darin ein Mädchen, als ihm von seinen Eltern wegen eines Fehltrittes der Unterhalt entzogen wurde, sein uneheliches Kind an der Herdplatte zerschmetterte und dafür zu 19jährigem Kerker verurtheilt wurde. Doch seitdem sind Jahre verflossen, und der Spuck treibt erst seit dem heurigen Sommer sein Unwesen. Originell ist, dass bereits am hellen Mittage dem nächtlichen Conzerte präludiert wird. Da werden Bilder von unsichtbarer Hand an den Wändern herumgeschlagen, versperrte Kastenthüren fliegen auf und offene Zimmerthüren werden zugeworfen. Nächtlicherweile erscheint dann der Unhold in Gestalt eines hässlichen grauen Weibes, Allen sichtbar, und aus der Tiefe tönt schauerlich der Name der Haustochter: „Judith, Judith“..Als nun der erwachsene Sohn des Hauses hilfeflehend erschien, begab sich der Pfarrer vor kurzem in das spukhafte Haus, um den Geist mit Brevier und geweihtem Wasser zu beschwören. Das scheint aber wenig genützt zu haben, da die Parteien erklärt haben, das Haus demnächst verlassen zu wollen.
Unsere gestrige Nachricht vom Tode des ehemaligen Gemeinderathes Hechenblaikner war nicht richtig. Herr Hechenblaikner lebt zur Stunde noch, liegt jedoch sehr schwer krank darnieder.
Das CriCri Fieber grassiert in Innsbruck (Spiel, welches das Gequake von Fröschen zum Gegenstand hat)
Vorführung eines Boyton´schen Tauchanzuges im städtischen Schwimmbad (s.a 17.11.) Der hiesige Private Mr. Charles Mackley ist im Besitze eines jener interessanten Schwimmanzüge, in welchem Kapitän Boyton, wie männiglich bekannt, seine berühmten Wasserreisen gemacht hat; er schwamm mehrere Male von England nach Frankreich über den Kanal und dann auch im vorigen Sommer von Linz nach Pest auf der Donau. Mr. Mackley hatte nun die besondere Gefälligkeit, in der hiesigen Schwimmschule – wo die Feuerwehr-Musik spielen wird – eine Produktion mittelst eines solchen Schwimmgewandes gegen ein Entree von 10 kr. zu veranstalten. Die Produktion währte von 1/3 bis 1/2 5 Uhr. Der Schwimmende, der in dem Anzuge 2 Stunden bei sehr ungemüthlicher Temperatur im Wasser blieb, ward vor allem durch denselben vor dem Einfluss der Kälte geschützt, er führte in einer Art von Reisesack mit sich, was zur Orientierung, zur persönlichen Sicherheit und zur Nothdurft des Lebens auf einer längeren Seereise nothwendig ist. Aus dem Sack zog er Reisekarten und Compass heraus, Signalluppe und Revolver, Speise und Trank, erwehrte sich unartig zudringlicher Seeungeheuer mit Schlägen seiner Ruderstange, benützte dieselbe, sie auf seiner Brust aufrichtend, als Mast und hisste ein kleines Segel und dgl. m.
In der Konditorei Gfall wird Kondensmilche hergestellt (siehe in diesem Zusammenhang auch den kurionsen Bericht „Narren-Lynchjustiz“ vom 10.02. Der hiesige Konditor Herr J. A. Gfall, der zur Herstellung von kondensierter Milche bedeutende Vorräthe frischer Milch braucht, bezieht deren auch aus Wattens und Umgebung in größerer Menge. Obwohl man glauben sollte, die Landbevölkerung könnte gegen eine gute Verwerthung dieses Artikels nichts einzuwenden haben, gefiel es einigen Weibern des geannten Dorfes, anders hierüber zu denken und dem „Milchsieder“ Gfall wegen des Milchkaufes zu zürnen; es schien ihnen nämlich die Gefahr herein zu drohen, es könnte schließlich nicht mehr genug der edlen Flüssigkeit zur Bereitung ihres Milchkaffees, den sie in starken Quantitäten zu sich nehmen, im Dorfe bleiben. So beschlossen sie denn, über den verwünschten Milchsieder strenges Gericht zu halten und am unsinnigen Donnerstag wurde der Plan der „harben“ Damen ins Werk gesetzt. Eine Puppe, die den Verfemten vorstellte, wurde in Fesseln und Banden auf einem Karren durchs Dorf gefahren, maskierte Burschen und Kinder gaben demselben johlend das Geleite. Auf einem geräumigen Platz wurde Halt gemacht und nun begann die Gerichtssitzung. Trotzdem dass sich unter der Männerwelt Vertheidiger für den Angeklagten fanden, welcher die größeren Einnahmen hervorhoben, die durch den Milchverkauf erzielt würden,…
Hall in Tirol: Der Geschirr- und Früchtenhändler Anton Monz aus Hall beantragt im Alter von 102 Jahren noch einen Reisepass (s.a. 13.08. dessen Gattin wird in eine blutige Auseinandersetzung verwickelt)
In der vergangenen Woche sah man im Stadtparke am linken Innufer vor der Walther-Statue ein altes Bauernweiblein knien und ganz inbrünstig beten. In ihrer Unbefangenheit hielt sie den Mann mit der Harfe für den königlichen Sänger und Propheten David.
Vermisstenanzeige mit Engelsbild: „Ein 3-jähriges Knäblein hat sich gestern wahrscheinlich vergangen und ist noch nicht zum Vorschein gekommen. Man ersucht den Aufenthalt desselben beim hiesigen Polizeiamte gefälligst anzeigen zu wollen.“
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