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Innsbrucker Nachrichten

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Die nebenstehenden Texte können Sie im Original und vollständig in den Innsbrucker Nachrichten finden, die auf der Webseite ANNO abzurufen sind. Wie sie den Text am besten finden, habe ich auf meiner Startseite beschrieben.


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Begräbnisverweigerung

Tod eines Gotteslästerers in Mareid (Sterzing): „... und der fand seine Ruhestätte auf Anordnung des k.k. Bezirksamtes im nahe gelegenen Walde.“
Eine gemischte Kommission beratschlagt in Wien, wie Selbstmörder zu bestatten sind.
Wie bekannt, hat sich kürzlich in Leutasch ein Bauernbursche erhängt (Anm. Am 10.06. wird noch Erschießen als Todesursache angegeben). Da es mit den geistigen Fähigkeiten desselben schlecht bestellt war, weigerte sich der Kurat nicht, die Leiche auf dem Friedhof beerdigen zu lassen, wohl aber tat dies der Totengräber, indem er als Grund hierfür anführte, es nütze doch nichts, weil die „armen Seelen“ der übrigen im Friedhof begrabenen die Leiche eines Selbstmörders neben sich nicht dulden und sie wieder herausreißen werden. Als Beweis hiefür diene, dass auch die Leiche eines vor ein paar Jahren daselbst beerdigten Selbstmörders nicht mehr im Grabe liege. Das betreffende Grab wurde in Folge dessen geöffnet und richtig, im Sarge lagen statt der Leiche – Hobelspäne. Was mit der Leiche geschah, wird die eingeleitete gerichtliche Untersuchung ergeben. In Leutasch verschwindet die Leiche eines Selbstmörders
Den in der jüngsten Zeit, nämlich erst in der verflossene Woche in Österreich vorgekommenen 3 Fällen von Begräbnissen ohne geistliche Assistenz – des Barons Weichs in Linz, des Spazapppn in Wippach und des Knechtes Iganz Innwinkl in Lienz – hat sich nun ein vierter Fall angereiht. Der bei dem Brande im Schöpfer´schen Hause am Donnerstag verunglückte Pharmazeut Georg Schmid (Schmitt), ein gebürtiger Bayer, hatte auf seinem Totenbette den geistlichen Beistand abgelehnt. In Folge dessen hielt sich der Herr Dekan verpflichtet die geistliche Assistenz beim Begräbnisse zu verweigern, und auch der hier weilende Fürstbischof von Brixen, an dem sich der Herr Dekan wandte, gab die Erlaubnis nicht. So musste denn das Leichenbegängnis ohne Intervention eines Geistlichen stattfinden und wurde auf gestern 1/2 5 Uhr anberaumt, da in den früher ausgegebenen Partezetteln die Stunde des Begräbnisses auf 3 Uhr angesetzt war und eine Abänderung durch die Zeitungen gestern nicht möglich war, geschah selbe durch eingen an den Straßenecken angeschlagene Partezettel. Zur gleichen Stunde fanden sich dann auch die Freunde und Bekannten des Dahingeschiedenen, sowie eine sehr große Menge anderer an dem Unglücke desselben theilnehmenden Leute beiderlei Geschlechts und aus allen Ständen ein, um denselben die letzte Ehre zu erweisen. Dichtgedrängt standen auch…
In Bozen muss das Begräbnis eines Selbstmörders mit Polizeigewalt durchgesetzt werden
Eine Ministerialentscheidung in Beerdigungsangelegenheiten. Aus Imst wird gemeldet: Am 12. Jänner 1902 starb hier Frau Elisabeth Schätti, evangelischer Konfession. Die Leiche sollte auf dem, vom katholischen Gottesacker durch eine Mauer getrennten, eigens für Andersgläubige hergestellten Friedhof beerdigt werden; die Angehörigen hatten dagegen nicht das geringste einzuwenden. Da kam ein Pastor Wehrenpfennig von Innsbruck und verlangte die Beerdigung der Leiche auf dem katholischen Gottesacker. ... Eine Beschwerde beim Ministerium für Kultus und Unterricht wird abgewiesen.
(Ein Minsterial-Entscheidung in Imst in Beerdigungsangelegenheiten.) „Während die vorletzte Beerdigung eines Evangelischen in Imst, des Werksführers Stoll im Jahre 1889 auf dem Friedhof stattfand, wurde die 1902 verstorbene Frau E. Schätti der außerhalb des Friedhofes führende, mittlerweile mit einer Mauer umgebene Gang als Begräbnisstätte zugewiesen. Dieser Gang, an und für sich als Friedhof unwürdig, ist nicht etwa ausschließlich für Andersgläubige, sondern für katholische Selbstmörde, ungetaufte Kinder, Nichtkatholiken etc. bestimmt und ist dieser Bestimmung zum Teil durch Inschriften an der Mauer allen Passanten des Weges kund gemacht. Mit diesem Platze, dessen Anweisung eine Kränkung und Beleidigung einer im Staate gleichberechtigten Konfession bedeutet, waren nicht bloß die Angehörigen der Verstorbenen nicht einverstanden, sondern dagegen musste auch das evangelische Pfarramt Beschwerde führen. Dass die staatlichen Verwaltungsbehörden bis zum Ministerium hinauf diesen Beschwerden keine Folge gegeben haben, ist richtig, doch dürfte diese ablehnende Haltung der Verwaltungsbehörden keineswegs von allen katholischen Bevölkerungskreisen mit solch unverhohlener Freude und Befriedigung vernommen werden, wie von den Tiroler Stimmen. Hochachtungsvoll Arnold Wehrenpfennig, evang. Pfarrer.“
Gemeindeausschuss-Sitzung in Schwaz. Der Bürgermeister berichtet, dass vom Verwaltungsgerichtshof in Wien für den 26. September die Verhandlung in Angelegenheit Beerdigung Andersgläubiger auf dem Friedhof in Schwaz anberaumt wurde
Ein vorenthaltenes Engelamt (Kuriosität aus Niederdorf im Pustertal); s.a. 05.11. Die Erwiderung des Pfarrers Stemberger