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Innsbrucker Nachrichten

Hinweis

Die nebenstehenden Texte können Sie im Original und vollständig in den Innsbrucker Nachrichten finden, die auf der Webseite ANNO abzurufen sind. Wie sie den Text am besten finden, habe ich auf meiner Startseite beschrieben.


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Widerstand gegen Schulreformen

In Tarrenz hat am Freitag ein hauptsächlich von den Müttern der dortigen schulpflichtigen Jugend veranstalteter Tumult stattgefunden. Da man sich nämlich dort beharrlich geweigert hatte, die neuen Schul- und Lesebücher anzuschaffen, sollten selbe am genannten Tage durch den Amtsdiener der k.k. Bezirkshauptmannschaft Imst in den beiden Schulen von Ober- und Untertarrenz vertheilt werden. Hievon hatte die Bevölkerung erfahren und als sich der Amtsdienser mit den Büchern zum Schulhause begab, konnte er mit Mühe auf dem Wege dahin der in begleitenden und drohenden weiblichen Bevölkerung entkommen und ins Schulzimmer flüchten, wo ihn jedoch der anwesende Kooperator hinauswies. Er begab sich hierauf, natürlich wieder unter der oberwähnten Amazonen Begleitung in die Schule des oberen Dorfes, wo er den Kuraten und den Gemeinderath um ihre Assistenz ersuchte, welche ihn dann auch sicher aus dem Dorfe hinaus geleiteten. Die Untersuchung über diesen Vorfall ist eingeleitet.
Letzten Montag Abend kam der Bezirkshaupmann-Stellvertreter Dr. Lantschner mit dem Herrn Inspektor nach Silz, versammelte noch am selbigen Abend den Gemeindeausschuss und gab demselben alle nur möglichen Aufklärungen, und es wurde beschlossen: Die Inspektion solle Tags darauf um 12 Uhr Mittags vorgenommen werden. Kaum hatten am andern Tage der Herr Schulinspektor und der Bezirkshauptmann-Stellvertreter das Schulzimmer betreten, als nach höflichem Anklopfen die Weiber eintraten und das Schulzimmer füllten. Eine Tischlermeisterin trat vor und hielt an die beiden Herren eine Anrede, worin sie vom Katholischbleiben, von den schlechten Händen, in welchen sich der Kaiser befinde u.s.w. sprach und mit der Bitte schloss, man möge die Schulinspektion unterlassen, bis das Konzil darüber entschieden habe. Dr. Lantschner versuchte vergebens sie aufzuklären und zu beruhigen. Die Führerinnen der Weiber waren bemüht ihre Begleiterinnen in Ordnung und Ruhe zu erhalten, was jedoch nur teilweise gelang, indem einzelne vordrängten und durchaus dreinreden wollten. Eine besonders aufgeregte Weibsperson stellte sich mit aufgehobner Hand vor das Crucifix und rief: „Lieber Herrgott lass und lieber stumm werden oder sterben, bevor wir so etwas über uns ergehen lassen müssen“. Darauf zogen die Weiber wieder ab. Einige riefen den Knaben zu: „Buben, bleibts da oder geht´s mit? Die Knaben antworteten: Wir bleiben…
Protest gegen die Schulpolitik auch in Tösens: „In Tösens begaben sich am Tage, an welchem der Schulinspektor erwartet wurde, statt der Kinder die Männer in die Schule, setzten sich in die Bänke und erwarteten den Inspektor. Dieser fuhr jedoch, da er dem Orte keinen Besuch zugedacht hatte, im Eilwagen vorbei.“
Die rebellischen Weiber vor dem obersten Gerichtshof. Der oberste Gerichtshof in Wien hat die Weiber zu Lähn, Bezirk Reutte, und Gnadenwald, Bezirk Hall, welche ihre Kinder von der Schulvisitation aus der Schule holten, der Übertretung nach § 314 des Strafgesetzes schuldig erkannt und hat die ihnen zuerkannte Arreststrafe von drei Tagen bestätigt. Das Oberlandesgericht hatte bekanntlich entschieden, dass die Weiber schuldlos seien.
01.07., 02.07. und 03.07.1872 – Die Schulen von Mariahilf und St. Nikolaus sollen gegen den Widerstand der Bevölkerung zusammengelegt werden (zum Schulwesen in Innsbruck). Eingabe des Pfarrers von Mariahilf an den Magistrat: „Die Pfarre zu Maria Hilf mit 1900 Seelen habe den gerechtesten Anspruch auf eine Schule. Es sei etwas Unnatürliches eine Seelsorgs-Gemeinde von 5/4 Stunden Ausdehnung – vom Pulverturm bis zum Turnus-Vereinshaus – ohne eigene Schule zu belassen. Seit der Errichtung der Seelsorge Mariahilf im Jahre 1780 wurde auch für eine eigene Schule gesorgt, mit der zwar anfangs die Schule St. Nikolaus vereinigt gewesen sei, aber das Schulgebäude habe sich immer in der Gemeinde Mariahilf befunden; Unzukömmlichkeiten und Reibungen haben aber im Jahre 1852 zur Trennung der zwei Schulen geführt, dadurch haben beide Schulen, namentlich die von Mariahilf gewonnen. 2. ...
12.12. und 14.12.1872 – Am Montag sollte in der Ortschaft Roppen im Oberinnthale durch den k.k. Schulinspektor Professor Durig im Beisein des k.k. Bezirkshauptmanns von Imst die Schulinspektion vorgenommen werden. Dieselbe wurde jedoch durch das gewaltsame Dazwischentreten der Bevölkerung vereitelt. Der Bezirkshauptmann ordnete einige Verhaftungen an. Die Gemeinde Roppen hat sich auch voriges Jahr renitent erwiesen; s.a. die Berichtigung vom 14.12. („Es hat kein förmlicher Aufstand stattgefunden, sondern ein Weib holte einfach eine Stunde nach Beginn der Inspektion ihren Buben aus der Schule ab und ein Bursche tat das Gleiche mit seinem Brüderlein, worauf alle übrigen Kinder bis auf zwei Knaben nachstürmten. Den Bezirkshauptmann von Imst begleitete auf dem Heimwege die erwachsene Jugend mit Kuhschellengebimmel eine Strecke weit. Das Weib und der Bursche, welche die Inspektion gestört, wurde auf 14 Tage und zwei Burschen, die das Kuhschellengeläute veranlasst hatten, auf 3 Tage eingesperrt.“)
Der Gemeinde Roppen wird die Kostentragung für die Stationierung von 20 Gendarmeriebeamten angedroht, falls die nächste Schulvisitation wieder mit einem Eklat endet, und zwar so lange, bis die Visitation gesetzmäßig erfolgen kann.
Strenge Schulinspektion in Zams; von der Gemeinde werden verschiedene Garantien verlangt
Eine Schulinspektion mit Gendarmerieassistenz soll neben den Gemeinden Roppen und Zams auch der Gemeinde Prutz in Ausssicht gestellt worden sein
Bestrafe Schulexzedenten: Vom k. k. Bezirksgerichte Silz wurden die Exzedenten bei der vorletzten Schulvisitation in Roppen, das Weib und der Bursche, welche Kinder aus der Schule abgeholt hatten, zu 10 und 6 Tagen Arrest, die zwei Burschen aber, die Kuhschellen läuteten, einer zu 4 Wochen, der andere zu 6 Tagen Arrest verurteilt