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Innsbrucker Nachrichten

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Die nebenstehenden Texte können Sie im Original und vollständig in den Innsbrucker Nachrichten finden, die auf der Webseite ANNO abzurufen sind. Wie sie den Text am besten finden, habe ich auf meiner Startseite beschrieben.


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1908-08-08


(Im Fluge über die Tiroler Alpen.) Das ist die Aufgabe, welche sich Hr. Dr. Bröckelmann aus Berlin künftigen Montag mit seinem im hiesigen Gaswerk gefüllten Luftballon zu lösen gedenkt. Ob dieses kühne Vorhaben gelingen wird, hängt hauptsächlich von den Witterungsverhältnissen, insbesondere den Luftströmungen ab, die wohl auch der tatkräftigste Luftschiffer mit dem besten Fahrzeug noch immer nicht zu meistern vermag. Sollte der titanische Plan glücken, was wir aufrichtig wünschen, so werden die wagemutigen Luftalpinisten eine Fülle gewaltiger Eindrücke empfangen, um die sie mancher Sterbliche, dessen Finanzkräfte zur Beschaffung solcher Wielandsflügel nicht hinreichen, wahrhaftig beneiden möchte. Je höher sie in unserem Land emporsteigen, desto mehr wird sich sein Anblick ändern ... In bestimmter Höhe, die ein Mathematiker vielleicht berechnen könnte, dürfte das Antlitz Tirols wohl dem Bilde gleichen, welches das Relief von Tirol dem Beschauer bietet; s.a. 10.08. Letzte Nachrichten: Ballon-Aufstieg. Der Aufstieg des Ballons „Augusta“ , mit den Herren Dr. Bröckelmann aus Berlin und Hauptmann Härtel aus Leipzig ist heute vormittags kurz nach 10 Uhr erfolgt. Die Füllung des Ballons durch das städtische Gaswerk nahm zweieinhalb Stunden in Anspruch. Der Ballon faßt 1500 Kubikmeter Gas, welche samt den Füllungskosten auf etwa 500 Kronen zu stehen kommen. Es hat sich begreiflicherweise eine große Menge Zuschauer in dem rückwärtigen Teil des Gaswerkes eingefunden, darunter mehrere Generale. Die Leute aber, welche außerhalb des für geladene Gäste bestimmten Raumes des Aufstieges harrten, zählten nach Hunderten. Gegen 10 Uhr waren die Vorbereitungen beendet, kurz nach 10 Uhr erhob sich der Ballon langsam in die Lüfte. Hauptmann Härtel rief noch einmal „Heil Innsbruck“, und unter stürmischen Hoch- und Heilrufe, unter Hüteschwenken und dem Jubel der Umstehenden stieg der Ballon in die Lüfte. Aus ziemlicher Höhe sandten die Luftschiffer noch duftige Grüße in Gestalt von Rosen herab. Der Aufstieg ist ein privates Unternehmen des Hauptmannes Härtel, Dr. Bröckelmann, ein gewiegter Aeronaut, hat über Einladung Härtels die Leitung der Fahrt übernommen. Gestern wurde der Aufstieg abgesagt, weil aber heut von den Observatorien auf dem Sonnblick und der Zugspitze gutes Wetter gemeldet war, wurde die Auffahrt doch unternommen. Die Herren glauben, dass sie in Italien landen werden. Anfänglich hielt sich der Ballonn eine zeitlang über der Aufstiegstelle, dann aber trieb er eine Stück gegen Nordwest, später gegen Nordost, und ungefähr eine Stunde nach dem Aufstieg nahm der die Richtung gegen die hohe Saile, also nach Südwest. Der Hauptmann Härtel ersucht uns um die Konstatierung, dass das Gaswerk die Füllung des Ballons in vortrefflicher, vollständig befriedigender Weise besorgte; s.a. 11.08. Der Ballon zog gegen halb 12 Uhr mittags über Matrei und das Navisertal und nahm dann die Richtung nach Süden. Auf der Straße hatte sich ein zahlreiches Fremdenpublikum angesammelt, das mit lebhaftem Interesse seine Fahrt verfolgte. Aus Sterzing wurde gestern telegrafiert, dass der Ballon etwa 1000 Meter über der Stadt schwebe. Wie uns Herr Hauptmann telegrafiert, nahm der Ballon die Fahrtrichtung längs der Brennerstraße, passierte die Amthorspitze und landete auf einer 1500 Meter hoch gelegenen Bergwiese westlich von Brixen; s.a. 12.08. Die abenteuerliche Landung der „Auguste“ oberhalb von Tils ... Die höchste Höhe, die der Ballon erreichte, war ungefähr 4200 Meter. Am Gipfel der Amthorspitze flogen sie in einer Entfernung von nur 100 Schritten vorbei. Nach allen Seiten hin prächtige fotografische Aufnahmen gemacht; s.a. 13.08. Am Montag gegen 3 Uhr nachmittags kam ein ziemlich großer Luftballon vom Brenner her, über das Schlüsseljoch, zog über die Ortschaft Kematen talauswärts und verschwand wieder, nachdem er etwa fünf bis sechs Kilometer zurückgelegt hatte, um 4 Uhr links über das Gebirge gegen das Pfunderertal. Über Kematen ließ man den Ballon so tief sinken, dass man fast mit freien Augen die Leute in der Gondel beobachten konnte. Ein Ziegenhirte, welcher sich unterhalb der sogenannten Ralsspitze befand, behauptete, er häte Sandkörnchen verspürt, welche vom Luftballon herkamen. Die Ballonfahrer hatten zu dieser Zeit offenbar gerade Ballast ausgeworfen