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Innsbrucker Nachrichten

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Die nebenstehenden Texte können Sie im Original und vollständig in den Innsbrucker Nachrichten finden, die auf der Webseite ANNO abzurufen sind. Wie sie den Text am besten finden, habe ich auf meiner Startseite beschrieben.


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Juden

Juden

Juedische Spuren in Innsbruck

Juden beim Militär: In den Reihen der österreichischen Armee dienen im Ganzen etwa 12.000 Soldaten jüdischen Glaubens, unter ihnen mehr als 500 Offiziere, Ärzte (die ebenfalls Offiziersrang haben) und Militär-Rechnungsbeamte. Von den Übrigen bekleiden sehr viele Unteroffizierschargen. Die Charge der Regimentsärzte ist den Juden erst seit dem Jahre 1848 zugänglich, die Zahl der Unterärzte ist eine sehr große. Auch in den Militär-Erziehungsinstituten befinden sich jüdische Kadetten, die sich zu Offizieren heranbilden.
Ein Akt rohester Gemeinheit wurde dieser Tage dadurch begangen, dass von bisher leider unbekannten Tätern am israelitischen Begräbnisplatze hier sämtliche Gedenksteine von den Gräbern gerissen wurden. Es wäre wahrhaft an der Zeit, dass solchen empörendem Muthwillen in den Schulen und von den Kanzeln herab durch geeignete Belehrung entgegen gewirkt würde.
Schon wieder haben boshafte Hände den hiesigen israelitischen Friedhof demoliert, da Grabsteine an der Eingangsthüre ausgerissen und zerschlagen wurden. Eine solch´schändliche That, dem größten Fanatismus entsprungen, muss jeden ehrbar denkenden mann empören!
Israelitisches Begräbnis in Innsbruck: Gestern nachmittags wurde die irdische Hülle des dahier verstorbenen Handelsmannes Herrn Ezechiel Dannhauser zur ewigen Ruhe geleitet. Ein von München kommender Rabbiner folgte im schwarzen Talar und mit Barett dem von verhüllten Pferden gezogenen Leichenwagen. Der Sarg war mit schwarzem Tuche überdeckt und drei Kränze lagen oben auf. Gefolgt von den Leidtragenden, dem israelitischen Theile der Stadtbevölkerung und einer großen Zahl von Theilnehmenden, bewegt sich der Zug bis an den rückwärts des Friedhofes gelegenen Theil desselben. Vor dem Friedhofe wurde der Sarg von dem Wagen gehoben und im Friedhofe neben das Grab gestellt. Mit deutlicher und wohltönender Stimme hielt nun vor dem Sarge der Rabbiner eine Grabrede, reich an hebräischen Citaten aus der Bibel. Treffend war die Stelle, worin er des Verstorbenen gedachte. Mit den Worten Hiobs, der Herr hat´s gegeben, der Herr hat´s genommen, schloss der Rabbiner seine ergreifende Grabrede. Nach einem kurzen hebräischen Gebete wurde der Sarg, ein einfacher viereckiger Sarg, in das Grab gesenkt. Zuerst der Rabbiner und darauf die nächsten Verwandten und Leidtragenden warfen 3 Schaufel Erde auf den Sarg, und beteten dann laut mit dem Rabbiner ein hebräisches Gebet. Hiermit war die Ceremonie beendet..
Warnung: Polnische Hausjuden treiben seit einiger Zeit in den Häusern der Stadt und auch auf den Dörfern in zudringlichster Weise Handel, indem sie ihre Ware den Widerstrebenden förmlich aufzwingen, ja sogar, wenn kein anderes Mittel nützt, unter Tränen an das Mitleid ihrer Opfer appellieren.
(M. Löwe´s Beerdigung.) Das Ereignis des gestrigen Nachmittags war die Beerdigung des Herrn M. Löwe. Die hohe Achtung und die große Beliebtheit, deren sich der biedere, leutselige alte Herr in allen Kreisen der hiesigen Bevölkerung erfreut hatte, manifestierte sich bei diesem Anlasse durch ein außergewöhnlich zahlreiches Geleite, das seinem Sarg gegeben wurde, dazu kam noch die große Menge von Leuten, welche die Neugierde, die eine Beerdigung nach israelitischem Ritus in ihnen erweckte, auf die Straße gelockt hatte, wo die offen gestanden in nicht gerade zartfühlender Weise den aus München kommenden Rabbiner, der in schwarzem Talare mit einer weißen, schwarzgestreiften Schärpe hinter dem Leichenwagen einherschritt, umdrängten. Ganz gewaltig war auch das Gedränge auf dem Friedhofe, wo die dorthin kommandiert gewesene Sicherheitswachmannschaft nicht ausreichte, das Menschengewoge zurückzuhalten, bis sie die Feuerwehr, welche mit Musik den Zug begleitet hatte, unterstützte und mit ihren Leinen die Bahn freihielt. Am offenen Grab hielt der Rabbiner einer ergreifende Leichenrede, der wie aus dem Leben des Verstorbenen, als vielleicht weniger bekannt, entnehmen, das derselbe sich erst in späteren Jahren seinem geschäftlichen Berufe gewidmet hatte, da er vorher an den Universitäten zu München und Würzburg juridischen, dann theologischen und schönwissenschaftlichen Studien obgelegen hatte. Die Erde sei ihm leicht!
Anlässlich der bevorstehenden Gemeinderats-Ergänzungswahlen wird eine Flugschrift der Konservativen verteilt, die sich neben anderen Themen auch mit der Judenfrage befasst: Diese Frage – so heißt es in der Broschüre – berührt zwar nicht unmittelbar die Gemeindeangelegenheiten, da sie aber in der Luft liegt, so kann sie früher oder später auch bei uns akut werden, und deshalb wird sie in den Bereich der Besprechung gezogen. Der Verfasser der Broschüre ist unbefangen genug zuzugestehen, dass, bei dem wüsten Treiben der antisemitischen Agitatoren die Juden zu den Prügeljungen gemacht werden, über welche die allgemeine Unzufriedenheit herfällt, um sie nicht nur für das verantwortlich zu machen, was man ihnen unmittelbar vorwirft, sondern sie zum Sündenbock für alle Übel der Zeit herzunehmen. Die Broschüre verutheilt die Judenhetze und gibt den Israeliten den Rath, um den Hetzen gegen sie zu begegnen, jenes wirtschaftliche Gebaren zu vermeiden, welches dem Namen „Jude“ den bösen Klang gibt. Von ihrem Verhalten wrede ihr Schicksal abhängen, wie im allgemeinen, so auch hier in Innsbruck. Und da sich die conservative Partei nun schon einmal als die Gesetzgeberin in Österreich fühlt, so stellt sie ihen bei Nichtwohlverhalten Ausnahmegesetze in Aussicht
Antisemitische Töne aus der Studentenverbindung „Austria“ („jüdische Poxelware“)
Die Parteien rüsten sich für die Gemeinderatswahlen in Innsbruck; seit etwa einem Jahr existiert eine Liste mit der Bezeichnung „Antisemiten“, Reaktion auf deren Pamphlete: „Blech, keiner Erwiderung wert!“; s.a. 16.05. (Reaktion der Deutschnationalen); ausführlich 17.05.; siehe auch folgende Tage
Israelitischer Religionsunterricht in der Bürgerschule (25 Kinder gemeldet)
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