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Innsbrucker Nachrichten

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Die nebenstehenden Texte können Sie im Original und vollständig in den Innsbrucker Nachrichten finden, die auf der Webseite ANNO abzurufen sind. Wie sie den Text am besten finden, habe ich auf meiner Startseite beschrieben.


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Justizgebäude

Justizgebäude

(Claudiana): Von Seiten des Justizministeriums ist an das hiesige k.k. Oberlandesgericht der Auftrag ergangen, zum Zwecke der künftig einzuführenden Schwur-, Gerichts und öffentlichen mündlichen Civil-Verhandlungen geeignete Lokale beim Landesgerichte zu eruieren. Zu erst gedachtem Zweck wird wahrscheinlich der im zweiten Stock im Landesgerichts-Gebäude mit der Aussicht gegen den Inn befindliche große Saal, genannt die „Claudiana“ verwendet werden. Es ist dieser Saal mit seinem prachtvollen Überboden-Getäfer der nämliche, in welchem zu Bieners Zeiten, wie den Lesern des „Kanzlers von Tirol“ wohl bekannt sein wird, das dort erwähnte Rumpelspiel stand. Er ist groß und sehr licht und wird seiner Bestimmung gewiss entsprechen. Für die civilen Verhandlungen dürfte das unter dem eben genannten Saale befindliche Lokal verwendet werden, das ziemlich groß und gewölbt, aber sehr feucht ist
Um einen nebensächlichen Eindruck zu erwähnen, so musste in dem sehr hübsch und entsprechend eingerichteten Verhandlungssaale der „Claudiana“ die mehr als bescheidene Nüchternheit, die schon nahe an die Unzukömmlichkeit streift, auffallen, durch die sich das dem Vertheidiger des Angeklagten zugewiesene Plätzchen seltsam auszeichnet, wie man, so sehr eine Frömmlichkeitskrämerei keineswegs wünschenswerth ist, auch im theilweise Interesse der Würde und des Ernstes der Strafverhandlung den Mangel an Form vermissen und bedauern konnte, der sich darin geltend machte, dass hier (in Österreich) das Richterkollegium nicht eine einheitliche Gewandung, wie es vielleicht auch der anderwärts gebräuchliche, kleidsam schwarze Talar oder Mantel wäre, trägt oder benützen darf.
Anmerkung: Der Eingang für die Zuhörer zum Schwurgerichtssaal des Innsbrucker Landesgerichtes befindet sich damals am Innquai neben dem Bade zur Kaiserkrone.
In der Gemeinderaths-Sitzung am 19. Mai wurde der Ankauf des Redentschen Grundes gegenüber dem Pädagogium behandelt. Der Justizminister hat im Einvernehmen mit dem Finanzminister beschlossen, vorbehaltlich der verfassungsmäßigen Genehmigung dahier ein neues Gefangenenhaus mit Justizgebäude zu erbauen, da die Missstände in dem bisher als Gefängnis benütztem Kräuterhaus wegen zu beschränktem Raumes nachgerade in jeder Beziehung unleidlich geworden sind, ja dasselbe vom Landessanitätsrathe geradezu als ein eventueller Seuchenherd bezeichnet worden ist. In Innsbruck, ja in ganz Nordtirol ist aber kein geeignetes Gebäude zu einem Arrestantenhause zu finden. Das Ministerium hat nun die Stadt aufgefordert, um den Bau zu ermöglichen, denselben Bauplatz sicher zu stellen. Noch im Herbest wird die Regierung beim neuzusammengetretenen Reichsrathe umd die Bewilligung einkommen. Die Kosten des Baues werden auf etwa 1/2 Million veranschlagt, und wird die Sparkasse gegen Annuitäten der Regierung das Kapital zum Baue vorstrecken. Der Platz für diesen Neubau wurde im neuen Stadttheile zwischen Fallmerayer und Bürgerstraße, südelich von der auf die Mitte des Pädagogiums mündende Querstraße bestimmt. Die größere Hälfte des Baugrundes ist bereits städtisches Eigenthum, der Rest desselben gehörd dem Vergolder Reden
Der Budgetausschuss des Reichsrathes genehmigte in vorgestriger Sitzung die Einstellung von 35.000 fl. in das Justizbudget zum Ankaufe des Baugrundes für das Justizhaus in Innsbruck, trotz der Oposition des Freiherrn Ignaz v. Giovanelli, welcher das Projekt vertrat, zur Erweiterung des Gefangenenhauses die neben demselben gelegenen Häuser, das Stapf´sche und das Polizeigebäude anzukaufen und zu adaptieren.
Der Bau des Justizpalastes und des Gefangenenhauses in Innsbruck hat nun die kaiserliche Genehmigung erhalten.
Die Erd-, Maurer-, Steinmetz-, Zimmermanns- und Eisenarbeiten für den projektierten Neubau des k.k. Justizgebäudes werden ausgeschrieben. Die näheren Bestimmungen sind dem „Amtsblatt zum Tiroler boten“ Nr. 207 ff. zu entnehmen.
Der Bau des Justizgebäudes ist im Offertwege an den Baumeister Josef Mayer übergeben worden
Das neue Justizgebäude ist heute mittalgs in feierlicher Weise eröffnet worden (s.a. den ausführlichen Bericht vom 05.10.)
Beschreibung des Gerichtsgebäudes mit Situationsskizze