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Innsbrucker Nachrichten

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Die nebenstehenden Texte können Sie im Original und vollständig in den Innsbrucker Nachrichten finden, die auf der Webseite ANNO abzurufen sind. Wie sie den Text am besten finden, habe ich auf meiner Startseite beschrieben.


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Erziehungsanstalt für Knaben (Malfatti)

Erziehungsanstalt für Knaben (Malfatti)

Für das hier zu gründende Waisenhaus wurde, nachdem die Wahl zwischen dem Sandwirths- und Wopfner´schen Anwesen zu St. Nikolaus geschwankt hatte, endlich letzteres, wie verlautbart, um 22.000 fl. von der Familie Malfatti erworben
Das von Herrn Malfatti gestiftete Institut zur Unterbringung und Erzhiehung verwahrloster Knaben ist gestern eröffnet worden.  „In Abwesenheit des Hrn. Bürgermeisters Dr. v. Peer wurde der feierliche Akt durch den Herrn Bürgermeister-Stellvertreter Dr. Rapp mit einer Ansprache eingeleitet, in welcher auf die besonders bei den gegenwärtigen socialen Zuständen höchst wünschenswerte Bestimmung dieser Anstalt hingewiesen war; hierauf wurde die Leitung der Anstalt nach dem Wunsche ihres Protectors, des hw. Herrn Fürstbischofes von Brixen den barmherzigen Schwestern übergeben, da bis jetzt die Unterhandlungen mit den Söhnen Mariens noch in Schwebe sind, und die Anstalt, in welcher 8 Knaben die erste Aufnahme fangen, in Gegenwart des gesamten Magistrats und der Mitglieder der Armenkomission für eröffnet erklärt.“
Offener Brief des Alois Malfatti (die Knabenerziehungsanstalt betreffend)
Erwiderung der Innsbrucker Nachrichten auf die Tiroler Stimmen wegen der Schulbrüder in der Malfattischen Knabenerziehungsanstalt
Ankündigung in Betreff des Malfattischen Instituts: „Auf Grund hoher Ministerial-Bewilligung vom 21. Juli d. Js., Ziffer 6459, eröffnet die Congregation der Brüder der christlichen Schulen mit 1. Oktober des Jahres eine Privat-Erziehungsanstalt für verwaiste, verlassene und verwahrloste Knaben im sogenannten Malfattischen Institute. ...  Die Aufzunehmenden sollen nicht unter 6 und nicht über 12 Jahre alt, sowie gesund und lernfähig sein
Das Malfattische Knaben-Institut ist über Auftrag des Herrn Statthalters wegen der in demselben zu Tage getretenen groben, unmoralischen Gebrechen geschlossen worden Auf Befehl der Statthalterei wurde den Schulbrüdern auch die Leitung des Malfattiheimes abgenommen. Die interimistische Leitung ist einem Komité übertragen worden, dem die Landesschulinspektoren Krischek und Schneller, der Bezirksschulinspektor v. Schullern und Direktor Stolz angehören. Als der Herr Bürgermeister die behördliche Verfügung dann auch den Knaben, 130 an der Zahl, verkündete, entstand eine sehr bewegte Szene. Die einen Knaben jauchzten und lachten, die anderen weinten und klammerten sich an die Schulbrüder an. Ganz ungebärdig sollen sich die Knaben am Abend betragen haben, sie brachen die Löffel ab, schütteten die Abensuppe auf den Boden, zerschlugen die Teller, wobei sich besonders die welschtirolischen Knaben auszeichneten; s.a. 27.12. und 28.12.1872
Die Zöglingen des Malfattischen Institutes haben nun alle die Anstalt verlassen und sind zu ihren Eltern zurückgekehrt. Von den Schulbrüdern, welche das Institut zu so anrüchiger Berühmtheit brachten, sind angeblich schon 4 entflohen; s.a. 04.02. Verhaftung von zwei Schulbrüdern; Protest des Herrn Malfatti gegen die Schließung
Gestern standen drei der Schändung und anderer schwerer Unzuchtsfälle angeklagte Schulbrüder des Malfatti´schen Instituts vor den Schranken des Gerichtshofes des hiesigen Landesgerichtes. Präsident v. Attlmayr leitete die Verhandlung. Aus Gründen der Sittlichkeit war die Verhandlung nicht öffentlich. Die Klosterbrüder Sabinus, Justin und Rudolf (Kongregation der Brüder der christlichen Schule) werden zu Haftsstrafen in der Dauer von 9 Monaten bis 2 1/2 Jahren verurtheilt. Die Angeklagten erschienen, da sie aus ihrer Kongregation ausgeschieden waren, im Civilkostüme.
Todesfälle. Gestern abends 11 Uhr verschied im Malfatti-Institut in Innsbruck die ehrwürdige Oberin Pazifika (Regina) Rief, von Zöblen, Tannheim gebürtig, im 64. Lebensjahr nach langem und schwerem Leiden. Sie bekleidete in zwei Instituten hier die Stelle einer Oberin nämlich vom Jahre 1884 – 1894 im v. Kraus´schen Dienstboten-Versorgungshaus am Innrain und seither im Versorgungshaus St. Josef in St. Nikolaus (sog. Malfatti-Institut)